391964
Besuche insgesamt, 9 Besucher online
cleargif
Sie sind hier: Startseite » Unsere Schule » Presse » Reise zur Weltpolitik
Druckansicht

Quellenvermerk: Verfasser / Nürnberger Nachrichten vom 01.07.2009

Reise zur Weltpolitik

Vier junge Nürnberger nehmen am J 8-Gipfel in Rom teil

Johanna Elter, Michael Borsky, Kasimir Buhr und Hannes Reinwald packen gerade ihre Koffer. Am Freitag reisen sie für eineinhalb Wochen nach Rom. Aber nicht auf Klassenfahrt. Nein, die vier 17-jährigen Nürnberger fahren nach Italien, um dort Politik zu machen! Sie sind nämlich das deutsche Team beim internationalen Jugendtreffen J 8 (siehe Infokasten unten).

«Wir sagen Merkel und Obama die Meinung!» So haben Johanna, Hannes, Kasimir und Michael die Pressemeldung überschrieben, mit der sie ihre Teilnahme am J8-Gipfel angekündigt haben. Und tatsächlich: Eine(r) der vier wird mit den Staats- und Regierungschefs der mächtigsten Länder der Welt diskutieren. Von den 56 Jugendlichen aus 14 Ländern, die zu J 8 kommen, wird eine Delegation (aus jedem Land einer) am 9. Juli Merkel, Obama, Berlusconi und Co. treffen.

Wer von ihnen das sein wird, haben die Elftklässler vom Nürnberger Willstätter-Gymnasium noch nicht entschieden. Aber das steht für sie auch gar nicht im Mittelpunkt. «Vielmehr fasziniert uns, dass wir Jugendliche aus anderen Ländern treffen und mit ihnen diskutieren», sagt Kasimir, und Hannes ergänzt: «Das ist eine einmalige Chance!»

Im Chat mit Japan

Schon jetzt haben die Nürnberger Kontakt zu einigen anderen Teams. Mit den Japanern und den Russen beispielsweise chattet Kasimir - auf Englisch natürlich. Und Johanna hat schon inhaltliche Übereinstimmungen mit den jungen Amerikanern gefunden. «Die haben sich viel mit HIV und Aids beschäftigt. Das geht Hand in Hand mit unserem Hauptthema: der Entwicklungspolitik.»

Hannes, Michael, Kasimir und Johanna verfolgen in Rom eine klare inhaltliche Linie. Sie wollen sich für bessere Lebensbedingungen in Entwicklungsländern einsetzen - und am liebsten den sogenannten Doha-Prozess wieder in Gang bringen.

Kasimir erklärt: «2001 haben es sich wichtige Staaten der Welt zum Ziel gesetzt, freie Märkte zu schaffen. Sie wollten Subventionen und Schutzzölle abbauen, damit die Entwicklungsländer mehr Chancen in der Weltwirtschaft haben.» Doch 2006 wurde dieser Prozess unterbrochen. Kasimir schüttelt den Kopf: «Dabei war man so nah dran an einer guten Lösung für alle!»

Eine gute Lösung für alle - das ist auch das Ziel, das die J 8-Teilnehmer in Rom verfolgen. Fünf Tage lang sitzen die Jugendlichen aus der ganzen Welt zusammen, um über ihre Vorstellungen von internationaler Politik zu reden. Dabei stehen dieselben Themen im Mittelpunkt wie beim G 8-Gipfel: Entwicklungshilfe, Finanzkrise, Aids, Klimawandel. Die Jugendlichen werden gemeinsame Forderungen ausarbeiten, die dann als «Declaration of Rome» an die echten Politiker übergeben werden.

Damit die Jugendlichen konstruktiv diskutieren können, gab es Vorbereitungsworkshops. Hannes, Michael, Johanna und Kasimir waren dafür drei Tage in Köln. «Dort haben wir mit ehemaligen J 8- Mitgliedern gesprochen, Infomaterial gelesen und auch ein Medientraining absolviert», erzählt Michael.

Dabei sind die jungen Nürnberger nicht ganz neu in der Politik. Kasimir und Johanna sitzen im Vorstand der «Grünen Jugend» Nürnberg, der Jugendorganisation der Partei Die Grünen, und haben zum Beispiel Demos veranstaltet. Hannes und Michael sind eher sozial engagiert. Hannes etwa ist seit Jahren Mitglied bei den Pfadfindern und hat im vergangenen Jahr eine Aktion für mehr Ausbildungsplätze mitorganisiert.

Kein Wunder also, dass die vier sich «Die Weltverbesserer» nennen - wenngleich der Name mit einem Augenzwinkern zu verstehen ist. «Wir wollen uns einfach selbst nicht so ernst nehmen», meint Kasimir.

Genau deshalb - weil sie so frisch und sympathisch sind, aber ihre Themen ernst nehmen und andere mitreißen können - wurden sie als deutsches J 8-Team ausgewählt. Beworben hatten sie sich dafür mit einem Video, in dem sie sich und ihre politischen Visionen vorstellten. Unter den 10 Bewerber-Teams entschied sich die Jury einstimmig für die jungen Nürnberger.

Dieser Ehre wollen die vier gerecht werden: Auch nach dem Gipfel wollen sie sich politisch engagieren und ihre Ziele weiter verfolgen. Erste Briefe, etwa an Angela Merkel, sind schon geschrieben. Und sie wollen hinterher an Schulen von ihren Erlebnissen berichten, um andere Jugendliche zu (politischem) Engagement zu motivieren. Dabei steht laut Hannes eine Botschaft im Mittelpunkt: «Wir sind ganz normale Jugendliche - aber wir haben's auch geschafft, etwas zu bewegen.»

ANNIKA PEISSKER