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Quellenvermerk: Verfasser / Nürnberger Nachrichten vom 18.07.2009

Am Ohr der Mächtigen dieser Welt

Deutsche Delegation berichtet vom Jugendgipfel in Rom - ,Eine Super-Erfahrung`

Als einzige Deutsche durften sie am Unicef-Jugendgipfel in Rom teilnehmen. Nach ihrer Rückkehr empfing Bürgermeister Klemens Gsell die vier Schüler des Willstätter Gymnasiums.

Obama, immer wieder nur Obama. Seitdem Johanna Elter beim G-8-Gipfel mitten zwischen den Mächtigen der Welt stand, wollen alle immer nur wissen, wie es denn nun war, dem US-Präsidenten so nahe zu sein. Dabei war die kurze Begegnung mit den Staatschefs gar nicht mal das, was der 17-jährigen Gymnasiastin am meisten im Gedächtnis hängen blieb. Natürlich sei es toll gewesen, «diese Leute» mal zu treffen, sagt die Schülerin. «Aber letztlich sind es auch nur ganz normale Menschen. Man darf das nicht überbewerten.»

Wenn sie so erzählt von dem zehntägigen Aufenthalt in Rom samt Kurzbesuch in L'Aquila, dann gerät sie trotzdem ins Schwärmen. Und ihren Mitstreitern Michael Borsky, Kasimir Buhr und Hannes Reinwald geht es nicht anders. «Wenn die G-8-Politiker auch so viel Spaß gehabt hätten wie wir, dann würden sie sicher mehr bewegen», sagt Reinwald.

Fasziniert hat die Elftklässler des Willstätter Gymnasiums vor allem die Begegnung mit all den unterschiedlichen Kulturen. 56 Jugendliche aus 14 Ländern nahmen, wie berichtet, an dem von Unicef organisierten Treffen teil - und brachten ihre deutschen Kollegen gleich zum Auftakt in Verlegenheit, weil sie sie mit Geschenken überhäuften. Masken der chinesischen Peking-Oper, russische Schirmmützen, brasilianische Glücksbringer - fast alle Nationen hatten kleine Präsente dabei, erzählt Reinwald. «Das war uns etwas unangenehm.» Auch im alltäglichen Miteinander lauerte manch ungeahnter Stolperstein. So war die Gruppe einmal zum ausgiebigen Dinner bei einem Drei-Sterne-Koch geladen. Und weil die Speisen gar so verführerisch dufteten, erlaubte sich Reinwald, an einem Gericht zu schnuppern - zum Entsetzen der Südafrikaner. Dort sei das eine Beleidigung des Gastgebers, erfuhr der Schüler aus Deutschland. «Das wirkt so, als würde man an der Frische zweifeln.»

Das Essen war natürlich ohnehin nur eine angenehme Nebensache. Im Vordergrund stand die Arbeit an einem gemeinsamen Politikprogramm, und zwar zu denselben Themen wie auf dem G-8-Gipfel. Klimaschutz, Bildung, die globale Finanzkrise wurden diskutiert und das Team aus Nürnberg vertiefte sich so sehr ins englische Streitgespräch, dass es noch Tage nach der Rückkehr manchmal nach deutschen Worten suchen musste. Ihre «Declaration of Rome» überreichten die Schüler dann den Staatschefs - für die zunächst geplante Diskussion über die Forderungen blieb leider keine Zeit, wie Johanna Elter noch immer bedauert.

Auch anderes war ernüchternd. Zwar stießen die Schüler auf große Medienresonanz, gaben Interviews im chinesischen Staatsfernsehen und im russischen TV und riefen ihre Botschaften publikumswirksam ins eigens vor dem Kolosseum aufgebaute überdimensionale «Ohr der Mächtigen» aus Pappmaschee. Doch manches, was sie später lesen oder sehen mussten, war den jungen Leuten gar nicht recht. Boulevardzeitungen fragten nach Angela Merkels Händedruck und unterstellten dem US-Präsidenten, er habe einer brasilianischen Teilnehmerin auf deren hübsche Kehrseite gestarrt. Das dazu gehörige Bild stammte aus einer Videosequenz und sei völlig aus dem Zusammenhang gerissen worden, ärgern sich Reinwald und Buhr. «Das Mädchen war völlig fertig deswegen.»

Unterm Strich blieb dennoch das Gefühl, an etwas Großem beteiligt gewesen zu sein. Von einer «Super-Erfahrung» spricht Reinwald, der jedoch keine Politikerkarriere anstrebt. «Ich will nicht darauf angewiesen sein, dass mich jemand wählt.» Und Johanna Elter, die ohnehin bei der Grünen Jugend engagiert ist, weiß nach Rom die Vorzüge der Lokalpolitik um so mehr zu schätzen. «Vor Ort kann man mehr bewirken.» Und Obama? Der sei schon beeindruckend gewesen, sagt Johanna. Trotzdem verzieht sie in der Erinnerung das Gesicht. Weil nur einer der Vier zu den Staatschefs durfte, losten sie und notierten die Namen auf Salztütchen. Der Sieger musste den Inhalt essen . . .

Silke Roennefahrt 18.7.2009