Erfahrungsbericht zum Einstellungstest und Assessment Center
Wie geht's weiter nach der Schule? Studium? Wenn ja, welche Richtung? Ausbildung?
Eine erste Entscheidung wird in der 11. Klasse bei der Wahl der Leistungskurse getroffen, doch erst zwei Jahre später denkt man meistens wieder daran: Wenn das Abitur vor der Tür steht. Doch dann ist es oft schon zu spät, um sich für einen Ausbildungsplatz in einem Unternehmen zu bewerben, da Ende September, bzw. Anfang Oktober des vorherigen Jahres meist schon Bewerbungsschluss für das nächste Ausbildungsjahr ist.
Ich möchte mit meinem Erfahrungsbericht allen, die sich demnächst bei einem Unternehmen bewerben wollen, einen kleinen Einblick in die verschiedenen Auswahlverfahren geben und gleichzeitig Mut machen, denn sobald die schriftlichen Tests geschafft sind, kann man im Assessment Center durch richtiges Auftreten gut punkten, wenn man weiß worauf es ankommt.
Ich habe mich letztes Jahr bei Novartis und Siemens zu einem dualen Studiengang, der unter anderem eine Ausbildung beinhaltet, beworben und wurde von beiden Firmen zu einem schriftlichen Einstellungstest eingeladen. Beide Tests haben zwischen drei und vier Stunden gedauert, haben sich aber in ihren Inhalten grundsätzlich unterschieden.
Während uns Novartis einen eher klassischen Einstellungstest zur Bearbeitung gegeben hat, in welchem unter anderem logisches Denken und Allgemeinwissen abgefragt wurden, waren im Test von Siemens nur kurze mathematische Aufgaben und solche, welche die deutsche Sprache betrafen, zu lösen. Zu meiner großen Freude waren beide Tests keine reinen IQ-Tests, sondern stellten eine durchaus überwindbare Hürde dar.
Im Internet findet man dazu einige gute Aufgaben, noch gezielter kann man aber mit speziellen Büchern üben, in welchen die gängigen Aufgabentypen vorgestellt werden.
Kleiner Tipp: googelt einfach mal nach der Firma, bei der ihr euch bewerben wollt und sucht Foren, wo sich ehemalige Bewerber über die Tests austauschen. Dort findet man oft Hilfestellungen oder kann sich schon mal informieren, was das Unternehmen speziell in seinem Einstellungstest verlangt.
Nach dem erfolgreich bestandenen Test wurde ich von Novartis und Siemens zum Assessment Center eingeladen, die beide ähnlich verlaufen sind.
Wir waren insgesamt acht Bewerber und wurden von vier, bzw. acht (bei Novartis hatte jeder genau einen Beobachter!) Mitarbeitern genau beobachtet.
Dass pünktliches Erscheinen eigentlich Pflicht ist, muss ich wahrscheinlich nicht erwähnen, es kam aber doch tatsächlich jemand zu spät, was sicher nicht gerade positiv aufgefallen ist.
Was die Kleidungswahl betrifft, hat man die große Auswahl, die lediglich von gammliger Jeans oder bauchfreiem Top eingeschränkt wird. Anzug und Krawatte für Männer, bzw. Hosenanzug für Frauen ist genauso okay wie Jeans und Hemd, bzw. Jeans und Bluse. Ein seriöses und gepflegtes Äußeres ist aber sicher von Vorteil.
Die Aufgaben, welche gestellt wurden, waren in beiden Firmen etwa die gleichen:
Vorstellen der eigenen Person, Gruppendiskussion (mit einem gemeinsamen Ziel), bzw. Pro/Contra Diskussion, in welcher man seinen Standpunkt allein vertreten muss.
Ziel ist es, in der Gruppe nicht unterzugehen, sondern als Person in irgendeiner Weise aufzufallen, was aber nicht bedeutet, dass man sich so hervortun sollte, dass man dem potentiellen Arbeitgeber signalisiert, hier der neue Chef werden zu wollen.
Bevor man zum Assessment Center geht, sollte man sich daheim selbst schon mal Gedanken zu sich machen (Was sind meine Stärken und Schwächen? Was mache ich besonders gern? Auslandsaufenthalte? Besondere Kenntnisse? Soziales Engagement?). Diese Fakten sollte man parat haben, um sich selbst als Person den anderen interessant präsentieren zu können.
Es ist nicht sinnvoll, in einer Eigenpräsentation den Lebenslauf darzustellen (außer er wird natürlich ausdrücklich verlangt), da die Beobachter diesen ja schon aus den Bewerbungsunterlagen kennen. Viel effektiver ist es, von etwas Besonderem aus dem Leben zu berichten, um sich so von den gängigen 08/15 Präsentationen zu unterscheiden.
Bei den Gruppendiskussionen ist es immer wichtig, die anderen ausreden zu lassen und sich dann geschickt in einer kurzen Redepause einzubringen. Eine Idee, die der Vorredner präsentiert hat, noch mal kurz aufzugreifen und seine eigene Idee damit zu verknüpfen, kommt auch sehr gut an. Aktives Zuhören ist hier das Stichwort!
Wie absurd die Themen auch sein mögen, über welche man diskutieren soll, lasst euch irgendwas einfallen und denkt daran: Auch die anderen finden meistens keine besseren Argumente. Wenn ihr also nicht untergehen wollt, dann bringt eure Gedanken dazu vor und diskutiert aktiv mit. Denn wie sollen die Beobachter einen Bewerber einschätzen können, wenn dieser kein Wort gesagt hat?
In den meisten Unternehmen findet nach dem Assessment Center gleich das Einstellungsgespräch statt, auf das man sich eigentlich auch gut vorbereiten kann: Informiert euch über die Firma, über aktuelle Zahlen (Jahresumsatz, Mitarbeiterzahl, Auslandsvertretungen, Gründungsjahr) oder Meldungen und lest Zeitung, falls ihr das nicht eh schon tut. Mir wurde zum Beispiel einfach die Frage nach einem der Themen, die an diesem Morgen in der Zeitung standen, gestellt.
Macht euch Gedanken zu dem Job, den ihr mit dieser Ausbildung erreichen wollt. Oft wird gefragt, was ihr euch darunter vorstellt oder was ihr schon darüber wisst. Da ist es ungünstig, keine Ahnung zu haben.
Standardfragen, wie „Warum sollten wir gerade Sie einstellen?“ oder „Was können Sie unserem Unternehmen bieten?“ werden einfach immer gestellt. Stellt euch daheim schon die Frage, formuliert eine nette Antwort aus (auch hier gilt: Kein allgemeines Blabla!) und bringt diese dann im Gespräch ein.
Denkt daran: Die Firmen suchen keine perfekten Übermenschen, sondern aufgeschlossene, engagierte und freundliche Mitarbeiter!
Viel Glück und Erfolg !! :)
Verena Gilzinger, K 13
