Bericht von meinem Praktikum im Rathaus der katalanischen Stadt Lérida 05.10.2008
Ich heiße Anna-Theresa Rubach und gehe gerade in die 13. Klasse.
Vor drei Jahren hatte ich das Vergnügen beim Spanisch Austausch mit Lérida von einer äußerst netten Familie aufgenommen zu werden. Wir haben uns sehr gut verstanden und auch noch nach meinem kurzen Besuch hielten wir sehr regen e-mail Kontakt.
So kam es, dass ich meinen Gastvater letztes Jahr fragte, ob er denn eine Idee habe, wo ich in Spanien meine Sprachkenntnisse ein wenig aufbessern könnte, denn ich hatte als Leistungskurs Spanisch gewählt und fühlte mich besonders beim Sprechen noch ein wenig unsicher.
Zu meiner großen Überraschung lud er mich während der Sommerferien ein, ein Praktikum im Rathaus zu machen. Er ist Chef der „Participación Ciudadana“(wörtlich übersetzt mit „Bürgerteilnahme“), einer Abteilung des Rathauses, welche sich direkt mit den Bürgern der verschiedenen Stadtteile befasst, deren Bürgerzentren verwaltet und finanziell betreut.
Bevor es richtig losging mit meinem kleinen Praktikum, zeigten mir meine ehemaligen Gasteltern das Apartment, in dem ich die folgenden zweieinhalb Wochen kostenlos wohnen konnte. Es war nicht weit vom Zentrum gelegen, sodass ich mit dem Fahrrad, welches ich durch einen glücklichen Zufall im Nebenzimmer fand, alle Strecken des 200.000 Einwohner Städtchens bequem meistern konnte.
Am nächsten Tag wurden mir die verschiedenen Kollegen vorgestellt und ich bekam meinen eigenen Schreibtisch mit Computer und allem, was dazu gehört.
Ich hatte zwei verschiedene Aufgaben:
Morgens, von 9 bis 13 Uhr, kümmerte ich mich im Büro darum, eine Verbindung zur Stadt Nürnberg herzustellen, um dem dortigen Amt für internationale Beziehungen eine Projekt namens „Intereg“ vorzustellen, welches einen Ideenaustausch zwischen mehreren europäischen Städten vorsieht. Hier ist geplant, dass in einem entsprechenden Internetportal Erfahrungen z.B. im Bereich der Integration oder interessante Aktionen von Bürgern ausgetauscht werden.
Frau Gleixner war hierbei meine Ansprechpartnerin und beide waren wir überaus freudig überrascht als sich herausstellte, dass sie die Mutter zweier Schülerinnen am Willstätter ist und meine Schwester mit einer der beiden Mädchen in die gleiche Klasse geht.
Nachmittags, von 17 bis 20 Uhr, war ich dann jeden Tag in einem der neun Bürgerzentren der Stadt um dort für einen Preis zu werben, der später den „Besten Vorsitzenden“, die „Beste Vereinigung“ und die „Beste Aktivität“ küren soll. Meine Pflicht war es hierbei, den Preis zu erklären und somit die Leute anzuregen, drei entsprechende Vorschläge einzureichen. Vor dieser Aufgabe hatte ich am Anfang noch ein bisschen Angst. Ich fragte mich, ob mir die Leute überhaupt zuhören würden, ob ich es schaffen würde, ihnen den Preis rasch und verständlich mit meinen Spanischkenntnissen zu erklären und ob es Probleme bei der Verständigung mit katalanisch sprechenden Personen geben würde.
Aber nichts von alle dem. Ich hatte sozusagen immer einen persönlichen Führer, den dortigen Verwalter bzw. Verwalterin an meiner Seite, der mich den Leuten vorstellte und mich auch sonst die ganze Zeit betreute.
Ich war also nie allein und hatte mehr als genug Möglichkeiten, mit den Menschen zu plaudern, zu reden und zu diskutieren. Dabei habe ich ganz bestimmt nicht nur mein Spanisch verbessert, sondern auch in ganz vielen anderen Bereichen wichtige Erfahrungen gesammelt. Ich habe neue Freundschaften geknüpft, habe mich endlich mal selbst organisieren müssen, bin am Wochenende mal nach Barcelona gefahren und bekam sogar einen Tag frei, um mir die Expo in Zaragoza anzusehen!
Auch wenn es manchmal anstrengend war, haben mir diese beiden Wochen außerordentlich viel Spaß gemacht und ich habe sie als eine große Erfahrung und Bereicherung erlebt, sodass ich ein solches Praktikum nur jedem sehr empfehlen kann.
Bei offen gebliebenen Fragen könnt ihr euch gerne jederzeit an mich wenden.
Anna-Theresa Rubach
