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Frankreichaustausch der 10. Klassen mit Brive 2008/2009

Acht wunderschöne, viel zu kurze Tage bei den „Brivistes“ im Limousin!

Ende März 2009 fuhren 21 Schüler der 10. Klassen zum ersten Mal ins Limousin, unsere französische Partnerregion. Weit entfernt von der Großstadt Paris und deren banlieues liegt Brive-la-Gaillarde „dans la France profonde“, im Herzen Frankreichs, in der Provinz. In der kleinen, hübschen Stadt ist die Welt noch in Ordnung und so typisch französisch!

Gegründet vor circa 200 Jahren zu gallo-römischer Zeit am Fluss Corrèze (so heißt auch das Departement), wuchs die kleine Siedlung Brive (keltisch „briva“, die Brücke) allmählich zu der malerischen Stadt, die wir schnell gut kennen gelernt haben. Keine Gefahr, sich zu verlaufen, denn von der Ringstraße führen alle Straßen in Richtung Zentrum zur Kirche St. Martin.

Am Lycée d'Arsonval wurden wir herzlich begrüßt, Schulbesuch und viele interessante Ausflüge wechselten sich ab und die einzige Kritik, die uns Lehrkräften zu Ohren kam, lautete: „Eine Woche ist zu kurz!“ Wir freuen uns also auf ein nächstes Mal.

Im Folgenden einige Erlebnisberichte der Teilnehmerinnen...

Frau Zehentmeier / Frau Seitz

Frankreichaustausch mit dem Lycée d'Arsonval in Brive

Nach unserer Ankunft in Brive und dem freudigen Wiedersehen mit unseren französischen Austauschpartnern ging schon am Freitag morgen die Entdeckungsreise los. Wir wurden freundlich begrüßt und durch unsere Partnerschule geführt.

Schwer beeindruckt waren wir von der professionellen Ausrüstung der Schule zur Filmproduktion (Spezialität des Lycée d'Arsonval) und vom riesigen Kletterraum.

Nach einem aufregendem Wochenende in den Familien kamen wir am Montagmorgen mit unseren Corres ins Lycée zurück und durften dort auch für zwei Stunden den Unterricht besuchen.

Anschließend machten wir uns ohne unsere Austauschpartner auf den Weg nach Oradour-sur-Glane, wo wir den Ort eines schrecklichen Massakers und das dazugehörige Museum besichtigten.

Nach einer ausgedehnten Mittagspause ließen wir uns von einem deutschen Studenten durch das Museum (le centre de mémoire) führen.

Er brachte uns die bereits bekannte deutsche, aber auch vor allem die französische Geschichte des Nationalsozialismus näher. Danach besuchten wir die Ruinen des Dorfes, welche nach dem Krieg als Mahnmal unverändert blieben.

Zur Zeit des Nationalsozialismus war die nördliche Hälfte Frankreichs von deutschen Truppen besetzt, während der südliche Teil, zu dem auch das kleine Dorf Oradour gehörte, als freies Frankreich bezeichnet wurde. Am 10. Juni 1944 trafen unerwartet deutsche Truppen in Oradour ein und umzingelten den ganzen Ort, unter dem Vorwand eine Personenkontrolle durchführen zu wollen. Versammeln sollten sich die Menschen zunächst auf dem Dorfplatz, anschließend wurden die Männer aufgeteilt, in Scheunen gebracht und dort erschossen. Frauen und Kinder wurden in die Kirche gesperrt und diese wurde in Brand gesteckt.

Darüber hinaus plünderten und zerstörten die Truppen den kompletten Ort. An diesem Tag starben 642 Menschen, wobei sich darunter viele Touristen und Schulkinder aus benachbarten Orten befanden. Überlebt haben gerade mal 6 Menschen, von denen heute noch 2 am Leben sind.

Am sonnigen Dienstag Morgen in Brive-la-Gaillard , machten wir - die deutsche Austauschgruppe des Willstätter- Gymnasiums - uns auf den Weg nach Meyssac, um dort die Kosmetikfirma SOTHYS zu besichtigen.

Das Familienunternehmen wurde vor rund 60 Jahren in Frankreich gegründet und wird heute von der zweiten Generation geführt. Meyssac ist die dritte Produktionsstätte aus den 70er Jahren und betreibt neben der Produktion auch Marketing und Forschung in Brive.

Während der Führung bekamen wir viele Informationen über das weltweit exportierende Unternehmen und einen Einblick in die verschiedenen Produktionsbereiche. Die Firma war früher nur mit Medizin in Verbindung zu bringen aber heute auch immer mehr mit Kosmetik.

Wir erfuhren außerdem, dass dort alles unter strengsten hygienischen Kontrollen abläuft, die alle zwei Jahre vom Gesundheitsministerium durchgeführt werden.

Es wird besonders auf Qualität, Sicherheit und Sauberkeit (die ganze Gruppe war für die Führung mit Schutzkleidung versehen) geachtet. Interessant war auch, dass sich in den Räumen, am Boden und an den Decken keine Ecken befanden, um Verunreinigungen zu vermeiden.

Es wurde erklärt, dass die Produktionen bei SOTHYS nur auf Anfrage erfolgen, sodass es nicht zu Überproduktionen kommt und auch, dass es bei den Produkten durch den Strichcode und das Etikett nicht zu Verwechslungen kommen kann.

Später im Labor konnten wir dann genau beobachten wie das einzelne Produkt der Reihe nach verschiedene Stationen durchläuft und wie es dann im fertigen Zustand aussieht. Hier werden den ganzen Tag Proben genommen, damit auch ja nichts schief geht.

Es wurde auch gesagt, dass die Vorleistungen für die Produkte von SOTHYS in Italien hergestellt werden. Dennoch wird natürlich der weitaus größere Teil in der Firma selbst hergestellt, und das in Räumen mit doppelten Wänden steriler Luft, und in Maschinen die bis zu 1000kg schwer sind.

In den Lagerräumen standen schon die Inhaltsstoffe und Verpackungen für das nächste Produkt bereit. Von dort aus gelangten wir in den Raum, in dem das Wasser für die Produkte extra mit Ozon-Wasser-Luftreinigung gereinigt wird. Wie uns unsere Führerin erklärte, verbraucht diese Reinigung 3/4 des Budgets der Firma.

Am Ende unserer Besichtigung und nach einer aufwändigen Entschälungsprozedur aus den Plastikschutzanzügen, machten wir uns frisch aufgeladen und mit abstehenden Haaren auf den Weg, zurück in unseren Bus und auf zu einem neuen Abenteuer!

Das nächste Abenteuer wartete schon auf uns im ca. 40 Minuten von Brive entfernten Dorf Collonges-la-Rouge, das man nicht umsonst das rote Dorf nennt. Alle Häuser und sogar das Pflaster sind aus rotem Backstein gebaut worden.

Während sich die Lehrer in das einzige kleine Restaurant setzten, erkundeten wir in Grüppchen die pittoreske Landschaft und die dörfliche Atmosphäre. Es gab auch ein paar kleine Souvenirläden mit zum Beispiel handgemachtem Schmuck und wie in jedem Dorf eine Kirche, die L'église Saint-Pierre, die jedoch im Gegensatz zum Rest des Dorfes etwas monströs wirkte.Die meisten der Häuser dort sahen fast ein bisschen wie kleine Hexenhäuschen aus, sodass man sich ein wenig wie im Mittelalter fühlt. Zum Abschluss genossen wir noch ein wenig die Sonne und machten noch einige lustige Fotos, bevor wir wieder zurück zum Lycée aufbrachen.

Am Mittwoch, den 1. April fuhren wir zusammen mit unseren Corres und den Lehrern zur Dune de Pyla und zur Hafenstadt Arcachon. Nach drei Stunden Busfahrt erreichten wir endlich unser Ziel. Schon von weitem erhob sich die mit 217m Höhe größte Wanderdüne Europas vor unseren Augen. Nach einem kurzem Fußmarsch hatten wir sie dann erreicht und ein schweißtreibender Aufstieg begann, für den man am Ende mit einem grandiosen Ausblick über den Atlantik belohnt wurde.

Nach ca.1 Stunde Aufenthalt, bzw. Fotoshooting ging es per Bus weiter nach Arcachon, wo wir direkt am Meer Pause machen konnten. Am Strand wurde gepicknickt, spazieren gegangen und sogar gebadet. Natürlich verließen mit der Rückkehr zum Tourismusbüro auch einige Muscheln ihren Platz. Dort angekommen stiegen wir für eine deutsch-französische Führung wieder in den Bus und besichtigten fahrend die Austernzuchtfelder, den Hafen Arcachons und die vier nach den Jahreszeiten benannten Stadtviertel. Zu Fuß ging´s noch durch einen Park und zu einigen der alten Kurhäuser. Nach einem fröhlichen Tag kamen wir mit Stau auf der Rückfahrt kurz nach 20 Uhr wieder in Brive an.

Autorinnen: Kathrin Blum, Anna Schaarschmidt, Anja Danneberg, Christiana Weiß, Pia Händel, Eva Knorr und Verena Neugebauer