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Für alle, die einen Einblick in einen ganz besonderen und einmaligen Austausch des Willstätter Gymnasiums erhaschen wollen, kann ich folgenden Auszug aus dem Reisetagebuch einer Willstätterin nur wärmstens empfehlen, die den Sprung in eine uns bisher unzugängliche Kultur gewagt hat – oder bleibt uns China trotz Einreise unzugänglich?

Doch lesen Sie selbst!


Reisebuch:

Mi/Do

Mittwoch/Donnerstag, der 20./21. Oktober.2010

Am Mittwoch den 20.10.2010 ging sie also los, unsere große Reise in den fernen Osten. Punkt 10 Uhr fuhren wir mit dem Zug vom Nürnberger Hauptbahnhof in Richtung Frankfurt Flughafen, von dem aus wir dann unseren mehrstündigen Flugmarathon nach China antraten.

Gezeichnet von langen Aufenthaltszeiten und Schlafmangel kamen wir dann endlich am Donnerstagabend, gegen 22:15 Uhr Ortszeit, in Qingdao an. Stürmisch wurden wir von den Organisatoren des Austausches empfangen und mit dem Bus zur Highschool No. 58 gefahren, vor der uns eine kreischende Menge Chinesen erwartete. Sobald unsere Austauschpartner uns entdeckt hatten, gab es für sie kein Halten mehr und wir wurden in Windeseile in die Autos unserer Gastfamilien gezerrt.

Nach einer einstündigen Fahrt durch halb Qingdao kam ich dann endlich an meinem zu Hause auf Zeit an. Ein Hochhaus mit 27 Stockwerken. Ja, ich war wirklich in China.

Fr

Freitag, der 22.10.2010

Um 6:00 Uhr klingelte mein Wecker. Es war Freitag und die Sonne schien in mein komplett in Pink gehaltenes Zimmer. Als ich aus meinem Zimmer kam, hatte mein Gastvater bereits Frühstück gemacht. Nach einer Portion Spiegeleier und Nudelsuppe war ich erst einmal gesättigt und meine Gastmutter rief mich zum Aufbruch. Um 10:30 Uhr trafen wir uns im uns zur Verfügung gestellten Versammlungsraum der Highschool No.58.

Es folgte eine Besichtigung der Schule und ein Mittagessen der etwas anderen Art.


Nach einer zwei stündigen Mittagspause stand nun Chinesisch auf dem Plan. Alice, unsere Chinesischlehrerin, versuchte sich an der Übersetzung unserer Namen. Auch wenn wir ihrer Namensdeutung nicht viel Glauben schenken konnten (Ich bezweifle, dass Rebeccas Eltern den Wunsch hatten ihr Kind „ Einzelkind aus der Schweiz, welches gerne Reis ist“ zu nennen) waren wir dennoch an den Übersetzungen typischer Urlaubssätze sehr interessiert.

Auch versuchten wir uns in der darauf folgenden Stunde mit Pinsel und Tinte an der chinesischen Schreibkunst, auch Kalligraphie genannt.


Gegen 5:40 Uhr wandte sich der Schultag dem Ende zu und wir verbrachten den restlichen Abend mit unseren Gasfamilien.

Sa

Samstag, der 23.Oktober.2010

Das Wochenende also sollten wir mit unseren Gastfamilien verbringen, so hieß es für mich auch schon am Samstag um 7.00 Uhr aufstehen, da für diesen Tag eine traditionelle chinesische Hochzeit anstand.


Mit dem Auto fuhren wir eine Weile, bis wir schließlich auf dem Parkplatz einer Hochhäuseranlage einparkten. Leicht irritiert fuhr ich mit meiner Gasfamilie in den 25.ten Stock. In einer Kirche schien die Hochzeit wohl nicht statt zu finden, also ließ ich mich überraschen. Als wir in der Wohnung der Brauteltern eintrafen, wurde diese bereits zurecht gemacht und kurze Zeit später fand die Hochzeitszeremonie im Jugendzimmer der Braut statt. Als diese beendet war, begaben wir uns zum Hochzeitsessen.


Da wir am Nachmittag noch eine Sightseeingtour mit Sophie und ihrer Austauschpartnerin geplant hatten, verließen wir die Hochzeit etwas früher und trafen uns kurz darauf am Hafen von Qingdao. Wir besichtigten den Strand, den Hafen und legten zum Ende des Tages eine kleine Shoppingtour im Zentrum von Qingdao ein.

So

Sonntag, der 24.Oktober.2010

Am Sonntag trafen wir uns erneut mit Sophie und deren Partnerin zum Schlittschuhlaufen. Zufällig trafen wir drei andere Mädchen mit ihren Austauschpartnerinnen und wir verbrachten eine schöne Zeit gemeinsam. Am späten Nachmittag brachen wir mit Sophie und ihrer Austauschpartnerin in Richtung Kino auf. Bei einem chinesischen Film mit englischem Untertiteln, mussten wir feststellen, dass sich der Humor der Chinesen im Gegensatz zu unserem doch sehr unterschied.


Am Abend erwartete mich in der Wohnung meiner Gastfamilie die ganze Verwandtschaft, welche nur drauf wartete mir bei zu bringen, wie man Dumplings, ein typisch chinesisches Gericht, herstellte. Nach dieser kulinarischen Entdeckungsreise fiel ich erschöpft in mein Bett und schlief sofort ein.

Mo

Montag, der 25.Oktober.2010

Am Montagmorgen erwartete uns eine eindrucksvolle „Flag-Raising-Ceremony“ welche die Schulwoche einläuten sollte. Die Schülersprecherin und der Direktor hielten eine lange Rede, bevor alle Schüler sich wieder in ihre Klassen begaben.


Auch wir begaben uns zum anstehenden Chinesisch- und Chinesepaintingkurs.

Nach einem leckeren Mittagessen und eine kleinen Mittagspause trafen wir uns zur „PE lesson“ auf dem Sportplatz. Zunächst machten wir ein paar Aufwärmspiele mit einer Klasse bevor uns deren Lehrer in die hohe Kunst des Kung Fu einwies.


Gegen 16:30 Uhr wurden wir in den Musikraum der Schule geführt um uns von Schülern die verschiedenen Klänge typisch chinesischer Musikinstrumente zeigen zu lassen. Anschließend durften auch wir die einzelnen Musikinstrumente ausprobieren.

Der Tag hatte sich dem Ende geneigt und wir verbrachten den Rest des Abends mit unseren Gastfamilien.

Di

Dienstag, der 26.Oktober.2010

Meine Austauschpartnerin hatte verschlafen und wir mussten uns beeilen rechtzeitig zur Schule zu kommen. Die ersten beiden Stunden verbrachte ich in der Klasse meiner Partnerin und lauschte zwei Stunden Mathematik und Geschichte.


Gegen 9:30 Uhr trafen wir uns dann wie gewohnt im Versammlungsraum der Schule. Da an diesem Abend die „German-Chinese-Students-Gala“ stattfinden sollte, hatten wir nun den ganzen restlichen Schultag Zeit unsere Auftritte auszuarbeiten und zu proben. Es wurde gebastelt, gesungen und getanzt, was das Zeug hält.

Punkt 17:00 Uhr begann die Show und der Mix aus deutschen und chinesischen Auftritten war ein voller Erfolg.

Mi

Mittwoch, der 27.Oktober.2010

Um 7:20 Uhr trafen wir uns zunächst an unserem bekannten Treffpunkt und warteten darauf, dass unsere heutige Bergführer uns abholte. Nach einer halben Ewigkeit des Wartens brachen wir endlich auf. Da Frau Mehl sich leider eine Erkältung zugezogen hatte, holten wir nur Herrn Grießhammer vor seinem Hotel ab und die Tour nach Laoshan Mountain konnte beginnen.


Zunächst besuchten wir eine alte Tempelanlage, welche am Fuß des Berges lag.

Dann ging es weiter mit dem Bus bis zu einem Tor, von wo wir unsere Bergtour starteten.

Es war ein anstrengender Anstieg, da der Pfad ausschließlich aus Treppen bestand.

Unser Führer erzählte uns, dass wir am Ende des Pfades die zweitgrößte Höhle der Welt besichtigen würden. Desto ernüchternder war die Wirklichkeit, als wir eine Höhle kaum größer als unsere Turnhalle vorfanden.


Der Tag hatte sich dem Ende geneigt und wir fuhren hundemüde zurück zur Schule, wo unsere Austauschpartner schon auf uns warteten.

Do

Donnerstag, der 28.Oktober.2010

Unser heutiger Plan begann mit einer Besichtigung der Residenz des ehemaligen, deutschen Gouverneurs und ging weiter mit einem Abstecher in typisch deutsche Braukultur in Qingdao.

In der damals von deutschen Siedlern gegründeten Brauerei bestaunten wir eine Ausstellung und probierten einen kleinen Schluck von chinesisch-deutschem Bier.


Da wir wegen Umbaumaßnahmen leider nicht im TV Tower von Qingdao Mittag essen konnten, begaben wir uns zu einem Shoppingcenter, in welchem wir für ein paar Stunden die Seele baumeln lassen durften.


Am Abend war nun schon das große Abschiedsessen mit allen Gastfamilien gekommen und ein wenig Wehmut machte sich breit. Trotz alledem verbrachten wir einen wunderschönen Abend mit schrägem Gesang und leckerem Essen.

Fr

Freitag, der 29.Oktober.2010

Nach einem tränenreichen Abschied von unseren Gastfamilien saßen wir nun im Flieger in die 22 Millionenstadt Peking.

Am Flughafen angekommen ging es auch schon weiter in unser Hotel und im Eiltempo wurden Zimmerschlüssel und Essenskärtchen verteilt - wir hatten heute schließlich noch Einiges vor. Schnell noch den Touri-Rucksack gepackt und auf gings zum „Platz des himmlischen Friedens“!


Nach einer nimmer enden wollenden Busfahrt und einem mehr oder weniger nützlichen Hintergrundwissen über Peking, welches wir auf der Fahrt von unserem Pekingguide erzählt bekommen hatten, betraten wir den „Platz des himmlischen Friedens“. Wir schossen ein paar Fotos und machten uns anschließend auf den Weg zur „ Verbotenen Stadt“.

Als wir jedoch ankamen, mussten wir feststellen, dass diese bereits geschlossen hatte und so besuchten wir kurzer Hand einen in der Nähe gelegenen Park.

Wir spazierten ein wenig durch das freundliche Grün und lauschten den kuriosesten Geschichten unseres Guides.


Am Ende des Tages waren wir alle geschafft und fielen heilfroh in unsere Betten.

Sa

Samstag, der 30.Oktober.2010

Heute stand ein echtes Highlight an: Die chinesische Mauer! Dafür lohnte es sich ausnahmsweise wirklich einmal früh aufzustehen.

Es folgte eine einstündige Busfahrt und ein anschließendes Massenblitzlichtgewitter, als wir während der Fahrt die ersten Teile der Mauer sahen.


Am Zielort angekommen, gaben uns Frau Mehl und Herr Grießhammer die Erlaubnis zwei Stunden die chinesische Mauer auf eigene Faust zu erkunden.

Gesagt getan, und ehe man es sich versah, waren wir schon dabei, mühselig die einzelnen Stufen des Weltkulturerbes hinauf zu stapfen. Es herrschte ein riesiges Gedränge, doch je weiter hoch man sich gearbeitet hatte, desto weniger Menschen wurden es.

Da wir fast die ganze Zeit für den Aufstieg verbraucht hatten, ging es nun im Laufschritt wieder zurück.


Nach diesem unvergesslichen Ereignis mussten wir uns erst einmal stärken und hauten beim anstehenden Mittagessen so richtig rein.

Kurz darauf saßen wir auch schon alle wieder im Bus, denn unser Terminplan war straff organisiert. Als nächstes besuchten wir eine Grabstädte eines Kaisers aus der Ming Dynastie, aber auch den Sommerpalast, welcher zu diesem Zeitpunkt leider umgebaut wurde.

Trotz der kleinen Enttäuschung über den Umbau des Palastes verbrachten wir noch einen schönen Tag im Palastpark.


Hungrig aber trotzdem gespannt bestaunten wir gegen Einbruch der Dunkelheit das Olympiastadion, auch Vogelnest genannt, in welchem 2008 die olympischen Spiele ausgetragen wurden. Anschließend suchten wir noch ein Restaurant auf, um unsere knurrenden Mägen zu beruhigen und fuhren von dort wieder zurück in unser Hotel.

So

Sonntag, der 31.Oktober.2010

Der letzte Tag unseres Chinaaufenthaltes war angebrochen und zur Feier des Tages durften wir auch gleich einmal ausschlafen. Um 9:30 Uhr ging es dann los zur „ Verbotenen Stadt“.


Dort angekommen besichtigten wir die riesige Anlage und knipsten den restlichen Speicherplatz unserer Kameras endgültig voll. Auch wenn wir diese typisch chinesischen Häuser nun schon des Öfteren gesehen hatten, waren die der „Verbotenen Stadt“ doch um einiges eindrucksvoller. Auch beeindruckte uns der enorme Platz vor dem Hauptgebäude, auf dem früher die wichtigsten Zeremonien des Kaisers abgehalten worden sind.


Unter Zeitdruck machten wir uns kurze Zeit später auf den Weg zu unserer letzten kulturellen Station, dem „Tempel of Heaven“.

Dies war eine weitläufige Tempelanlage, welche in drei große Höfe gegliedert war. Im dritten Hof stand der „ Tempel of Heaven“, welcher meiner Meinung nach das schönste aller Gebäude in ganz Peking war.


Da wir am letzten Tag in China natürlich noch einmal ausgiebig einkaufen gehen wollten, begaben wir uns nach dem Mittagessen in eine Arte Kaufhaus der Superlative.

Es gab Unmengen an Kleidern, Schmuck oder Souvenirs und einen Kaufrausch inklusive.


Nachdem wir unsere ausgiebige Shoppingtour beendet hatten, genossen wir unser letztes gemeinsames Abendessen in China und fuhren zurück ins Hotel.

Mo

Montag, der 1.November.2010

Der große Tag bzw. Nacht der Heimreise war gekommen und wir trafen uns um 4 Uhr morgens mit Sack und Pack im Foyer des Hotels. Von dort aus ging es mit dem Bus zum Flughafen und mit dem Flugzeug in Richtung Heimat.


Am späten Abend kamen wir völlig erschöpft am Hauptbahnhof Nürnberg an und wurden von unseren Familien herzlichst begrüßt und nach Hause gebracht.


Dieser Chinaaustausch war einfach unvergesslich und die ersten Pläne für einen weiteren Besuch bei unseren Gastfamilien stehen auch schon.

Auch unseren Lehren Frau Mehl und Herr Grießhammer ein großes Dankeschön für die tolle und lustige Betreuung! Das ist Fakt, und das wissen sie auch! :)

Autorin: Leonie Vollmar, 10e