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Zwei Monate in Montevideo

Am 02. Juli 2010 hieß für uns endlich: ¡Vayamos compañera! Uns stand ein (eigentlich) 19 Stunden langer Flug in Richtung Südamerika bevor. Gerade noch waren wir im heißen Deutschland und plötzlich verabschiedeten wir uns am Flughafen von unseren Familien für zwei Monate. Nachdem wir das erste Umsteigen erfolgreich gemeistert hatten, fanden wir uns auf einmal ungewünschter Weise statt in Sao Paolo (dort war es leider zu neblig) in Rio de Janeiro vor. Bevor es weiterging, saßen wir fast fünf Stunden im Flugzeug auf dem Rollfeld fest und die leider nur französisch sprechenden Stewardessen waren uns da auch keine große Hilfe. Irgendwann fanden wir aber dann doch mit neun Stunden Verspätung den Weg zu unserem Ziel: Montevideo, Uruguay. Die Strapazen der Reise waren zum Glück schnell vergessen, weil uns Katha und Sarah, unsere Austauschschülerinnen, die schon von Januar bis März bei uns in Nürnberg gelebt hatten, mit ihren Familien einen herzlichen Empfang bereiteten.

Unsere erste Woche in Montevideo war gleichzeitig die letzte Woche der WM und die der uruguayischen Ferien. Dadurch konnten wir uns schnell besser kennenlernen, obwohl (besonders anfangs) noch einige Verständigungsschwierigkeiten herrschten. So mussten wir einsehen, dass auf den netten Hinweis auf ein Handyklingeln mit dem Ausruf „Móvil!“ leider keiner reagiert. Nachdem man sich jedoch an das ‘uruguayo‘ etwas gewöhnt hat, kann man mit der Zeit sogar Gesprächen folgen! Die WM zeigte uns, dass in Uruguay ein ganz anderer Stolz auf das Heimatland herrscht als bei uns in Deutschland: Alles war ‘celeste‘. Wohin man auch ging, sah man blau-weiße Fahnen und als die Mannschaft nach Erreichen des 4. Platzes nach Uruguay zurückkam, bekamen wir sogar schulfrei, um sie willkommen zu heißen.

Allgemein kümmerte man sich in der Schule immer gut um uns. Es gab extra einen Lehrer für uns Deutsche, der unsere Stundenpläne koordinierte und uns immer zur Seite stand. Wir hatten sogar einen Spanischkurs nur für die deutschen Austauschschüler, wobei unser Lernerfolg dabei eher fraglich scheint (bei unserem Niveau!), da alle 20 Austauschschüler unterschiedlich lang Spanisch gelernt haben. Katha und Sarah machen das so genannte „bachillerato bicultural“, wo sie sowohl auf Spanisch als auch auf Deutsch unterrichtet werden. Deshalb verbrachten sie viel Zeit in der Schule, die wir sinnvoller zu nutzen wussten. So gingen wir oft am Strand spazieren, in Shopping Center, nach Hause zur sympathischen Köchin Bea, von der wir uns bekochen ließen, oder besuchten die Altstadt, wodurch wir Montevideo immer besser kennen lernten.


Aufgrund der Verschiebung des Tagesrhythmus‘, wie Abendessen um 22 Uhr, begann auch eine uruguayische Fiesta deutlich später als bei uns. So verließ man um 12 Uhr (ausgemacht wäre in diesem Fall dann ca. 11 Uhr gewesen) das Haus zur ‘Previa‘ bei einer Freundin. Nach mindestens zwei weiteren Stunden dort, ging es im günstigen und völlig überfüllten Taxi in die Disko.

Unsere Gastfamilien versuchten außerdem, uns so viel wie möglich von ihrem Land zu zeigen. Wir besuchten in einem mehr oder weniger großen „Reise“-Bus Colonia, die älteste Stadt Uruguays, von wo aus man sogar Buenos Aires sehen konnte. Außerdem besuchten wir zusammen mit unseren Familien Punta del Este, den beliebteste Badeort Uruguays mit einer Reihe von Villen und Hotels, der jedoch im uruguayischen Winter, als wir dort waren, fast wie ausgestorben wirkte. Ein unvergessliches Erlebnis war auch der Besuch der „Laguna Blanca“, dem Land der Familie einer Freundin. Dort lernten wir nette Gauchos kennen, mit denen wir aber leider nicht weiter kommunizieren konnten, und verbrachten unsere Tage mit reiten, essen des typischen Asado, angeln und Spielen.

Wohl das Highlight unseres zweimonatigen Austausches in Uruguay war die einwöchige Reise zu den Wasserfällen von Iguazú mit allen anderen deutschen Austauschschülern. Wir wohnten in einem (hässlichen) Hotel in Brasilien, wo man schon mal eine halbe Stunde laufen musste, um Wasser zu kaufen. Außerdem besuchten wir dort einen Vogelpark, Jesuiten-Minen in Argentinien und natürlich die Wasserfälle selbst sowohl von der argentinischen, als auch von der brasilianischen Seite. Wir machten einen Ausflug, genannt „La Gran Aventura“, bei dem wir erst mit einem Jeep durch den brasilianischen Urwald und anschließend mit einem Schlauchboot unter die Wasserfälle gefahren sind. Zwar hatten wir durch Fotos schon hohe Erwartungen an diese Reise, wobei es in Wirklichkeit einfach noch beeindruckender ist und auf jeden Fall eine Reise wert. Zuletzt besuchten wir schließlich noch Ciudad del Este in Paraguay, wo die Armut noch viel deutlicher und offensichtlicher war als in manchen Teilen Montevideos.

Alles in allem waren das für uns zwei unvergessliche Monate, aus denen wir viel gelernt und mitgenommen haben und vor allem eine schöne Zeit mit viel Spaß hatten, was wegen der sehr offenen und vor allem herzlichen Art der Uruguayer auch nicht weiter schwer war. Deshalb fiel uns der Abschied zwar sehr schwer, aber wir sind uns alle einig, dass wir uns auf jeden Fall wiedersehen werden.

 

Larissa Knapp und Eva Danhof, Q12