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6 Wochen in Montevideo

Viajar significa crecer: Reisen bedeutet wachsen

Als ich das am Anfang meiner Reise gesagt bekommen habe, hatte ich nicht gedacht, dass dieser Spruch sich tatsächlich bewahrheiten würde. 

Diese begann zusammen mit den Sommerferien am 27. Juli 2018. Einerseits war ich ziemlich aufgeregt und habe mich auf eine besondere Zeit in einem völlig fremden Land gefreut. Andererseits war ich auch etwas besorgt, da ich zum ersten Mal ganz alleine fliegen musste und mich nicht wirklich gut mit meiner Austauschpartnerin Sophie verstanden hatte, da sie von ihrer Persönlichkeit wenig zu mir gepasst hatte. Außerdem war sie zum Zeitpunkt meines Abflugs nicht mehr auf der deutschen Schule und auch nicht mehr meine offizielle Austauschpartnerin, weshalb ich zu einer neuen Gastfamilie kam. Schlussendlich hob ich mit gemischten Gefühlen in Frankfurt ab und war zweieinhalb Stunden später in Madrid, meinem Zwischenstopp. Nach einem kurzen Aufenthalt startete dann um kurz vor Mitternacht mein Transatlantikflug nach Montevideo, wo ich dann ungefähr 12 Stunden später landete. Da ich meine Gastfamilie ja kaum kannte ging ich aufgeregt und unsicher aus dem Sicherheitsbereich. Das legte sich jedoch sehr schnell, als ich meine Gastmutter und meine Austauschpartnerin Niki sah und diese mit offenen Armen auf mich zukamen. Ich bemerkte sofort die bekannte Offenheit und Freundlichkeit der Uruguayos. Auch meine ursprüngliche Austauschfamilie, also Sophie und ihre Mutter, warteten am Flughafen auf mich. Nach einer kurzen Begrüßung fuhren wir dann schließlich nach Hause und ich traf das andere deutsche Mädchen, Klara, die eigentliche Austauschpartnerin von Niki. Wir verstanden uns sofort super. Am nächsten Tag besuchte ich dann zum ersten Mal die Deutsche Schule Montevideo, wo ich gleich auch noch mehr Deutsche kennen lernte, die alle super freundlich waren. 

Drei Tage später ging es schon mit der von der Deutschen Schule organisierten Reise los zu den weltberühmten „Cataratas de Iguazú“ (Wasserfällen von Iguazú). Wir trafen uns am Montagmorgen vor der Schule und nachdem wir alles in den Bus eingeladen hatten, fuhren wir ab. Die Fahrt verging dank unseres Reiseführers schnell und nach 25 Stunden kamen wir in Foz do Iguaçu, Brasilien, an. Gleich nach unserer Ankunft und nachdem wir unsere Koffer in unseren Hotelzimmern abgestellt hatten, besuchten wir den Vogelpark. Dort sahen wir Schmetterlinge, Krokodile, Schildkröten und natürlich viele verschiedene Vogelarten. Am nächsten Tag fuhren wir auf die argentinische Seite der Wasserfälle, wo wir als aller erstes den „Hauptwasserfall“ ansahen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl dort zu stehen und so ein Naturwunder beobachten zu dürfen. Den Rest des Tages liefen wir in der gesamten Anlage herum und schauten uns mit einem Guía alle anderen Wasserfälle auf dieser Seite an. Am nächsten Morgen wechselten wir auf die brasilianische Seite der Cataratas und durften einen weiteren Tag an diesen atemberaubenden Wasserfällen verbringen. Neben den Cataratas hat mir auch die naturbelassene Parkanlange sehr gefallen. Ich fühlte mich hier wie in der Wildnis wegen der Bäumen und den Coatís überall im Park. Nach einem anstrengenden Tag besuchten wir abends noch eine Tanzshow bevor es dann am darauf folgenden Tag wieder in Richtung Uruguay ging. Auf dem Weg nach Montevideo machten wir noch zwei Stopps. Den Ersten bei den Minas de Wanda. Diese konnten wir besichtigen und Steine, die man dort finden konnte, kaufen. Den zweiten Stopp machten wir in Misiones, wo wir den Nachmittag durch das kleine Dorf laufen und abends dann eine Lichtershow anschauen durften. Am Samstagmittag kamen wir schließlich voller neuer Erfahrungen wieder in Montevideo an. Abends besuchte Niki mit ihrer Austauschpartnerin und mir ein Musical in der Deutsche Schule, welches von der schuleigenen Musicalgruppe dort aufgeführt wurde. Die Tage vergingen wie im Flug, denn bald war ich schon drei Wochen in Uruguay und bemerkte es kaum, weil ich jeden Tag etwas Anderes, Neues machen konnte. An einem Tag ging ich mit ein paar anderen Deutschen an den Strand und beobachtete den Sonnenuntergang, der mir in Montevideo viel schöner und farbenreicher vorkam als hier in Deutschland. An einem anderen besuchten wir den größten Turm in Montevideo, den Anteltower, um die Stadt von oben zu sehen. Logischerweise war auf einer Höhe von 26 Stockwerken alles verglast, was leider die Sicht ein bisschen verschlechterte. Glücklicherweise wurde uns so eine Möglichkeit dank des Austauschvaters einer Deutschen noch einmal auf einem annähernd so großen Geschäftsgebäude gegeben. Das besondere daran war, dass es dort nur Steinbarrieren als Absicherung gab und gerade die Sonne unterging, als wir dort oben standen. Generell trafen wir uns sehr gerne in einem der 5 Shoppingzentren in Montevideo, weil jeder wusste wie man dort hinkommt und es so viel einfacher war sich zu treffen.

Der Tagesablauf in der Schule war zum Großteil sehr ungeordnet. Es fing damit an, dass alle Deutschen zusammen extra Spanischunterricht bekommen sollten. Dieser wurde aber nur am Anfang bei den ersten 10 bis 15 Leuten durchgeführt. Weiter kommt noch hinzu, dass, als ich ankam, kein anderer extra Unterricht mehr stattfand. Mit extra Unterricht meine ich beispielsweise Uruguaykunde oder auch Kunstunterricht, den alle Austauschschüler zusammen absolvierten. Ich hatte nicht früher fliegen können, weil ich vor den Sommerferien noch meine chinesische Austauschpartnerin zu Besuch in Nürnberg  hatte. Das fand ich äußerst schade, da die anderen begeistert von diesen Aktivitäten waren. Der Unterricht der Uruguayos, den wir täglich besuchen durften, hat mir allerdings gut gefallen und war sehr interessant, auch wenn ich die ganzen sechs Wochen bei der „6BB" (entspricht unserer 12. Klasse), also der bilingualen Klasse verbrachte. Das war deswegen etwas misslich, weil diese das deutsche Abi macht und deswegen fast allen Unterricht auf Deutsch hat, und aus diesem Grund konnte ich mein Spanisch im Unterricht nicht wirklich verbessern. In der Schule wurden wir deutschen Gastschüler grundsätzlich von zwei Lehrern betreut, wobei unsere eigentliche „Hauptbetreuungslehrerin" leider nur an drei von fünf Tagen der Schulwoche in der Schule arbeitete, so dass wir die meiste Zeit auf uns allein gestellt waren.

Am Anfang so einer Reise fragt man sich natürlich, was man alles besichtigen möchte.... und wem kommt nicht als eine der ersten Ideen Buenos Aires in den Sinn? Glücklicherweise konnte ich am Ende meines Austauschs diese wunderschöne Stadt mit einer Austauschkollegin besuchen, wenn auch nur für einen Tag, denn unsere Heimreise stand unmittelbar bevor. Früh morgens ging es mit dem Bus nach Colonia de Sacramento, wo wir dann mit dem Schiff nach Buenos Aires übersetzten. Endlich angekommen besuchten wir zuerst die Galerías Pacífico, ein riesiges Einkaufszentrum, das sehr edel aussieht. Danach liefen wir die Calle Florida, eine Einkaufsstraße, entlang bis wir dann zum berühmten Obelisco an der Avenida 9 de julio kamen. Es war ein unglaubliches Gefühl endlich an dem Ort zu sein über den man immer nur gelesen hat. Danach besuchten wir noch die Buchhandlung “el ateneo“, das Teatro Colón und das berühmte rosa Rathaus, die Casa Rosada. Müde, aber sehr glücklich fuhren wir abends wieder nach Montevideo zurück. Die Tage vergingen und so stand mir mein letztes Wochenende bevor, an welchem mir meine Gastfamilie noch Punta del Este, eine Stadt, die man im Sommer mit Mallorca vergleichen kann, zeigte. Deshalb war die Stadt auch mehr oder weniger leblos, als ich sie besichtigte, da ich ja im Winter dort war. Eine besondere Sache, die man dort machen kann, ist Wale zu beobachten - wenn sie sich zeigen. Glücklicherweise konnte ich an dem einen Tag, an dem ich die Stadt besuchte, zwei Wale beobachten, die relativ nah an der Küste schwammen. Am Hafen von Punta del Este zeigte sich mir eine weitere unglaubliche Sache. Dort konnte man Seelöwen beobachten, die sogar auf den Steinsteg kamen und gefüttert werden konnten. Das war ein Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde. Nach dem Besuch am Hafen gingen wir essen und danach die Stadt besichtigen. Dies taten wir aber vom Auto aus, weil das Wetter nicht besonders gut war. Am Nachmittag aßen wir dann noch Churros mit einer heißen Schokolade, bis wir dann am frühen Abend nach Hause fuhren. 

Die letzten paar Tage gingen wie im Flug vorbei und bald musste ich mich von dieser wunderschönen Stadt, dem atemberaubenden Land und meiner wundervollen Gastfamilie verabschieden. Meine Gastfamilie und ich machten uns also früh am Donnerstag, den 6. September, auf den Weg zum Flughafen. Dort checkte ich ein und dann war es auch schon Zeit mich von meiner Gastfamilie zu verabschieden. Ich bin ihnen sehr dankbar dafür, dass sie mich aufgenommen haben, obwohl sie schon eine andere Deutsche Austauschpartnerin hatten. Nach ungefähr 24 Stunden kam ich, etwas traurig über den Abschied aber dennoch froh darüber, meine Familie wieder zu sehen, in Frankfurt an. Dort wurde ich überglücklich empfangen.

Abschließend kann ich sagen, dass mir dieser Austausch ganz gut gefallen hat. Trotz einiger Schwierigkeiten habe ich auf dieser Reise viel gelernt und erlebt, und natürlich mein Spanisch verbessert. Und auch der Spruch vom Anfang meiner Reise hat sich meiner Meinung nach bewahrheitet, denn ich glaube, dass ich durch diese Reise tatsächlich „gewachsen“ bin.

 

Lisa Knapp Q11