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Auf der anderen Seite der Welt

Nach 2 Monaten ist jetzt leider meine Zeit in Uruguay zu Ende gegangen.

Nun muss ich dieses anfangs so unbekannte, doch inzwischen so lieb gewonnene Land hinter mir lassen und in meine alte Heimat zurückkehren. Am Ende ist der Abschied doch eine Menge schmerzhafter als ich es anfangs je erwartet hätte. 

Zum Austauschprogramm... Der vom Willstätter-Gymnasium angebotene Austausch nach Uruguay unterscheidet sich sehr von anderen Austauschen, die Sie und Ihr vielleicht schon kennengelernt habt, wie z.B. nach Spanien oder Frankreich. Im Gegensatz zu diesen Austauschen handelt es sich hierbei um einen Individualaustausch. Das heißt, dass nur ein bis zwei Leute von einer Schule teilnehmen. Insgesamt empfangen jährlich im Winter um die 15 deutsche Schulen aus Städten in ganz Deutschland 1 oder 2 uruguayische Austauschschüler, wohingegen sie dann 1 oder 2 ihrer Schüler im Sommer für 2 Monate ins Ausland schicken. 

Die Uruguayer kommen alle zur selben Zeit etwa Mitte Januar bis Mitte März und den Zeitraum, wann du nach Uruguay reisen willst, kannst du dir selber aussuchen. Zu empfehlen ist hierbei der Zeitraum vor und teilweise während der Sommerferien, weil dann die meisten Deutschen nach Uruguay reisen und auch teils ein extra Programm von der dortigen Schule für die Deutschen erstellt wird. Ein Teil dieses Programms ist zum Beispiel die 1-wöchige Reise zu den Iguazú-Wasserfällen. Die Wasserfälle liegen genau im Länderdreieck zwischen Argentinien, Brasilien und Paraguay. Sie gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe und man sollte sie auf keinen Fall verpassen, wenn man in Südamerika ist. Die Reise wird komplett von der Deutschen Schule organisiert einschließlich der Busfahrt, dem Hotelaufenthalt, einem Ausflug nach Paraguay und den verschiedenen Besichtigungsfahrten der argentinischen und brasilianischen Seite der Wasserfälle. Insgesamt kostet die Reise ungefähr 600 US-Dollar, zusätzlich können Programme wie Helikopterflüge vor Ort gebucht und bezahlt werden. Die komplette Reise wird von uruguayischen Lehrkräften begleitet.

Das Land...Uruguay ist ein wirklich faszinierendes Land mit vielen verschiedenen Seiten – guten und schlechten. Als schlechte Seite ist natürlich die Armut zu nennen, obwohl die Familien, die am Austausch beteiligt sind, meist sehr wohlhabend sind. Aus der Armut resultiert logischerweise auch sehr viel Dreck auf den Straßen und viel Kriminalität. Natürlich sagt man das mit der Kriminalität immer einfach so, aber es gab schon konkrete Situationen während meines Aufenthaltes. Teilweise, wenn ich mit meinem Austauschschüler nachts nach Hause gekommen bin, hat er Sachen gesagt wie: „Jetzt müssen wir ein bisschen aufpassen; es kann gut sein, dass wir gleich los rennen müssen.“ In der Regel passiert aber nichts, weil die uruguayischen Jugendlichen wissen, wo man sich aufhalten kann und wo lieber nicht. Allerdings gibt es auch eine Menge sehr schöne Seiten. Teile der Stadt Montevideo haben wundervolle alte Gebäude, die noch in reicheren Zeiten Uruguays gebaut wurden. Auch die Landschaft weiter im Landesinneren außerhalb der Großstadt ist toll. Mit sehr weiten Wiesen und kleinen Hügeln, auch wenn man nicht mit höheren Bergen rechnen sollte. Und natürlich die bekannte südamerikanische Offenheit und Gastfreundschaft. Egal wo man hinkommt, sei es ein Familienfest oder ganz einfach die Schule, wird man immer mit überschwänglicher Freundlichkeit empfangen.

Ein großer Bestandteil und Grund einen Austausch zu machen ist natürlich auch die Sprache.

Die Sprache...die Sprache dient dazu, Kulturen zu trennen oder sie zu vereinen. Bei einem Austausch trifft zumeist beides zu. Anfangs trennt sie dich. Sie trennt dich von deiner Gastfamilie, von deinem Austauschschüler und von den Freunden deines Austauschschülers. Selbst die einfachsten Fragen kommen dir auf einmal so schwierig vor. Um etwas zu bitten, was auf der anderen Seite des Tisches steht, zum Beispiel. Doch mit einem klein wenig Selbstbewusstsein, Mut und vor allem Willen geht all das vorbei... und dann? Dann dient die Sprache dazu zu vereinen. Sie vereint dich mit sämtlichen anderen Uruguayern. Und nicht nur das. Sie vereint dich zusätzlich mit allen anderen Spanisch sprachigen Menschen auf der Welt.

Ich danke sowohl meinen deutschen als auch meinen uruguayischen Eltern dafür, dass sie mir all dies ermöglicht haben und den gesamten Austausch zu einem solch tollen Erlebnis gemacht haben.

Und ein ganz besonderer Dank gilt auch meinem Austauschschüler Román Díaz...er hat sich nicht nur während seines Aufenthaltes in Deutschland die größte Mühe gegeben, ein angenehmer und höflicher Gast zu sein, sondern er hat auch sehr viel Zeit und Anstrengung darauf verwendet, dafür zu sorgen, dass mir nur positive Erinnerungen bleiben. Ich glaube, in ihm und seiner bzw. mittlerweile auch „meiner“ Familie wirklich Freunde fürs Leben gefunden zu haben.

Alexander Oft, Klasse 10a

Austauschgruppe an den Iguazú-Wasserfällen