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Lateinamerika-Filmtage im Filmhaus Nürnberg


Der Film “La Zona“ (Méxiko, 2007)

Vom 12. bis 21.Februar 2007 fanden im Filmhaus im Künstlerhaus Nürnberg die Lateinamerika-Filmtage statt, bei denen Filme aus Chile, Uruguay, Argentinien und Mexiko aufgeführt wurden. Lateinamerikanische Filme, wie sie dieses Jahr im Februar so erfolgreich bei der 59.Berlinale abgeschnitten haben (Silberner Bär für das argentinische Erstlingswerk “Gigante“ von Adrián Biniez und einen Goldenen Bären für den peruanischen Beitrag “La teta asustada“ als Bester Film) werden in Kinos der Region nur selten gezeigt. Eine erfreuliche Ausnahme bilden da die Lateinamerika-Filmtage im Filmhaus, die das filmische Begleitprogramm zur jährlich im Januar in der Villa Leon stattfindenden Lateinamerikawoche bieten. Alle hier gezeigten Filme haben einen anderen politischen oder sozialen Schwerpunkt und spiegeln besondere lateinamerikanische Lebenswelten wider. Ihre Auswahl berücksichtigt vor allem aktuelles Kino, das auch ästhetischen Qualitätsansprüchen genügen soll.
Spanischschüler der Klasse 10a und des Wahlkurses Kino nutzten diese Veranstaltung, um den vielfach international ausgezeichneten mexikanischen Film “La Zona“ von Rodrigo Plá aus dem Jahr 2007 zu sehen, zu dem Frau Marga Schmitt von der Lateinamerikawoche die Moderation übernahm.

...- erschütternd - realistisch - gewalttätig - bewegend - interessant - aufwühlend-...

Das waren nur einige der Bezeichnungen für “La Zona“ nach der Vorstellung, die die Schüler offensichtlich beeindruckt hatte.

Worum geht es bei diesem Film?

Regisseur Ricardo Plá schildert das Eindringen dreier Diebe in die von Mauern und Stacheldraht umgebene und durch zahllose Videokameras und Wachmänner beschützte Wohnsiedlung “La Zona“, die sich irgendwo am Rande von Mexiko-Stadt befindet. In die “Zona“ haben sich reiche Bürger zurückgezogen, die der in den umliegenden favelas herrschenden Gewalt und Kriminalität entfliehen wollen, und versuchen ihren Kindern ein behütetes Zuhause zu bieten.

Die Eindringlinge - Jugendliche, die auf Diebesgut aus sind - überfallen und töten einen der Bewohner von “La Zona“ - und eine gnadenlose Hetzjagd, organisiert von einer selbst ernannten Bürgerwehr, beginnt. Zwei der Diebe werden sofort erschossen - dem 16-jährigen Miguel aber gelingt es, sich zunächst im Keller eines der Häuser zu verstecken.

Der ebenfalls 16-jährige Alejandro erlebt als Sohn eines der Hauptverantwortlichen der immer mehr außer Kontrolle geratenden Hetzjagd die Geschehnisse unmittelbar mit - und trifft dann mit dem flüchtigen Miguel zusammen. Er freundet sich mit dem Gehetzten an und will ihm helfen, sich vor seinen Verfolgern in Sicherheit zu bringen - was paradoxerweise nur durch eine Flucht aus der „Gated Community“ - dem “Paradies“ - gelingen kann.

Doch so sehr der Zuschauer sich das Gelingen dieses Unternehmens zusammen mit den beiden Jungen auch wünschen mag - die Realität eines von Armut, Gewalt, Ausbeutung und Korruption gezeichneten Landes wie Mexiko lässt dies nicht zu.

OStRin Eva Schübel-Vogel

Schülerinnen des Kinokurses haben sich im Anschluss an den Kinobesuch weiter mit dem Film auseinander gesetzt und dazu verschiedene Filmkritiken verfasst. Hier einige Auszüge:

Filmkritik von Eva

Filmkritik zu La Zona

“La Zona“ ist ein Staat im Staat, wo die Reichen Mexikos wohnen, umgeben von verwahrlosten Armenvierteln. Wie jeder Staat hat auch “La Zona“ Grenzen und eigene Gesetze, Überwachungskameras und Mauern, die die Sicherheit gewährleisten sollen. Es dürfen nur diejenigen “La Zona“ betreten, die dort wohnen oder eine Einladung vorweisen können.

Doch als drei Jugendliche es schaffen, unerlaubt einzudringen um die Reichen zu bestehlen, gerät das Ganze aus dem Ruder und es werden drei Menschen getötet und nur einer der drei Jugendlichen überlebt. Der bisher scheinbar gewahrte Frieden zerbricht und das Wohl der Gemeinschaft wird über das Leben des Einzelnen gestellt.

Es beginnt die Hetzjagd auf den Jungen aus der Unterschicht, was selbst die Polizei nicht verhindern kann.

Das Erschreckende an diesem Film ist, dass die Geschichte keine Vision des Regisseurs Rodrigo Plá ist, sondern eine Realität, wie sie vor allem in Ländern herrscht, in denen der Unterschied zwischen Reich und Arm so enorm ist.

Mir persönlich hat der Film gut gefallen, da die Brutalität der Wirklichkeit in Ländern wie Mexiko spannend dargestellt wurde. Es war interessant, diese Realität zu sehen, und dass es für die reichen Menschen, die so abgegrenzt von den Armen und ihrem Elend leben, wichtiger ist, ihre Sicherheit zu wahren, als das Leben eines Menschen, der eigentlich nichts wirklich Schlimmes getan hat, zu verschonen - und dass sogar die Polizei nicht eingegriffen hat!

Eva Danhof

Filmkritik von Susanne

Filmkritik zu La Zona

Der Thriller “La Zona“ stellt den extremen Unterschied zwischen Arm und Reich in vielen Ländern Lateinamerikas drastisch dar. Ich finde den Film gut, weil er die Probleme zwischen den Gesellschaftsschichten realitätsnah darstellt und sie kritisch beleuchtet: Machtmissbrauch der Wohlhabenden, Machtlosigkeit der Armen, die Korruption des Staates.

Der Film hebt besonders hervor mit welch gewissenlosen und grausamen Mitteln die reichen Bewohner von “La Zona“ nur in ihrem eigenen Interesse handeln und dabei buchstäblich über Leichen gehen.

Susanne Bauer