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Russisch im Altenheim

Schüler des Pluskurses Russisch lesen russischsprachigen Pflegeheimbewohnern in ihrer Muttersprache vor.

Unsere Russisch-Literatur-Gruppe beschloss am 4.12.2009 ein Altersheim zu besuchen, um den russischsprachigen Bewohnern des Altersheims auf Russisch vorzulesen. Ich wollte bei diesem Projekt unbedingt mitmachen, weil ich es sehr wichtig finde, anderen Menschen zu helfen.

Im Altersheim teilte sich unsere Gruppe auf. Ich betreute zusammen mit einem anderen Mädchen zwei  ältere Damen. Ich hatte Mitleid mit den beiden, da sie normalerweise wenig Umgang mit anderen russischsprachigen Menschen hatten und wegen ihres hohen Alters vieles vergessen hatten. Wir unterhielten uns mit ihnen und ich las eine Geschichte aus einem russischen Buch vor. Es war für mich eine interessante Erfahrung und ich fragte eine der Frauen danach, wie sie hieß, woher sie kam und was sie vom Beruf gewesen war, da ich selbst auch aus einem anderen Land komme. Auch wenn die beiden Frauen uns nicht die ganze Zeit konzentriert folgen konnten, ich glaube, dass es für sie eine gute Abwechslung war.

Ich habe mir auch schon überlegt, dass ich beim nächsten Mal, wenn ich wieder dieses Altersheim besuchen werde, für die Menschen dort etwas auf der Geige oder auf dem Klavier vorspielen werde. Denn Musik ist etwas Schönes, weil sie jeder verstehen kann und sie jedem Freude bereitet.

Stella, 9. Klasse

Von dem Gedanken geleitet etwas Gutes für die Gemeinschaft zu tun, haben wir uns dafür entschlossen, ein bisschen unserer Freizeit zu opfern um im "Hephata"- Altenheim eine kleine Vorlesestunde für die dort untergebrachten Senioren zu veranstalten.

Ich habe einen ganz besonderen Fall zugeteilt bekommen - Herrn K., einen Senior, dessen Sprach- und Erinnerungsvermögen aufgrund des Alters stark beeinträchtigt ist und der zudem keine Sprache außer Russisch spricht. "Ich muss ihm seine Wünsche von den Augen ablesen" - erzählte mir seine Pflegerin. Also war ich als Muttersprachler in diesem Falle besonders gefragt. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten, haben wir dann eine Art Unterhaltung geführt - ich stellte Herr K. Fragen - über seine Jugend, seine Familie usw., er versuchte dann zu antworten, es gelang ihm nicht immer, aber er hat sich Mühe gegeben. Ich habe Herrn K. auch etwas von mir erzählt, worauf er auch mit ersichtlichem Interesse reagierte. So hat unsere Unterhaltung eine knappe halbe Stunde gedauert, was allerdings nach Meinung des Personals völlig ausreiche, da wir Herrn K. nicht überlasten wollten.

Was man im Laufe des Gesprächs sah und was mich persönlich sehr beeindruckte ist, dass in diesem auf den ersten Eindruck abgeschotteten und verlorenen Menschen in Wirklichkeit noch die Persönlichkeit, das Bewusstsein keimt. Meiner Meinung nach müsste man sie nur "herausholen", d.h. sie einfach öfter Reizen in Form von sozialen Kontakten aussetzen.

Ach ja, was das Vorlesen betrifft - Herr K. meinte, er stehe nicht so auf Bücher :)

Alexej, K 13

Den Besuch der Schüler und Schülerinnen des Willstätter-Gymnasium Nürnbergs und die Projektidee habe ich als sehr positiv empfunden. Für die Bewohner unserer Einrichtung bedeutet das u.a.:

  • soziale Kontakte in Form von Einzelzuwendung
  • die Möglichkeit sich verständlich zu machen und zu verstehen
  • Vertrautheit über die Muttersprache und damit Bezug zur Biographie
  • Kontakt zur Jugend

Für uns als Haus sind generationsübergreifende Projekte eine Bereicherung, bringen uns neues Gedankengut und eine Auseinandersetzung mit dem Alter aus einem anderen Blickwinkel.

Ich begrüße es sehr, wenn noch weitere Schüler zu uns kommen könnten - Vorlesestunden, z.B. von Märchen oder Geschichten von Zeitgut, sind am Nachmittag häufig möglich einzurichten und zu begleiten.

Insa van Oterendorp
Sozialdienstleitung

Pflegezentrum Hephata

Wir, der Pluskurs „Russische Literatur“ freuen uns über jeden, der einmal oder dauerhaft mitkommen möchte, um mit alten Menschen zu sprechen oder ihnen  (auch auf Deutsch natürlich) etwas vorzulesen. Und die alten Menschen freuen sich natürlich sowieso.

Kommt einfach in der Pause zu Frau Heinz.