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Die Russen kommen!

 

Schülerinnen und Schüler besuchen eine Theatervorstellung im Staatstheater Nürnberg.

 

Im Rahmen unseres P-Seminars „Erstellung einer Videosendung“ im Leitfach Russisch besuchten wir an einem Freitagabend zusammen mit Frau Heinz und einigen Kursteilnehmern die Theatervorstellung „Die Russen kommen!“ im Staatstheater Nürnberg. Mit dabei war auch der Leistungskurs Russisch, der die Thematik des Stückes auch zuvor im Unterricht diskutiert hatten.

Das Stück, das von Gesine Schmidt verfasst wurde und am 26.10.2010 in der neuen BlueBox am Nürnberger Schauspielhaus uraufgeführt wurde, handelt von Russlanddeutschen, die fortlaufend in ihrer Geschichte um die Anerkennung und Akzeptanz kämpfen und immer noch auf der Suche nach ihrer echten Heimat sind. Dabei war ihr Schicksal von Anfang an den außenpolitischen Verhältnissen zwischen Deutschland und Russland unterworfen.

Einst für den wirtschaftlichen Aufschwung Russlands von Katharina II. im 18. Jahrhundert ins Land geholt, konnten sich die Deutschen durch Fleiß, Disziplin und landwirtschaftliches Können in Russland etablieren. Die deutschen Kolonien waren bald für ihren Fortschritt, Wohlstand und ihre Kultur bekannt. Sie glaubten in Russland eine neue Heimat gefunden zu haben. Doch die ersten Feindseligkeiten gegenüber den neuen Nachbarn beginnen schon mit dem Deutsch-Russischen Krieg im Jahre 1914.

Aber besonders die Ereignisse kurz vor und nach dem zweiten Weltkrieg haben bei Russlanddeutschen gravierende Spuren hinterlassen und ihren weiteren Lebensverlauf erheblich beeinflusst. Der Überfall Deutschlands auf die UdSSR am 22. Juni 1941 traf die deutsche Minderheit als geschlossene Volksgruppe am schlimmsten. Alle deutschen Siedler wurden pauschal der Kollaboration mit dem faschistischen Deutschland bezichtigt. Die Folgen davon waren Deportationen, Verschleppung und Mord. Viele dieser Menschen können das Geschehene erst jetzt verarbeiten und darüber sprechen. Diese Erzählungen sind auch in das Theaterstück eingeflossen und lassen den Schmerz und die Ungerechtigkeit, die diesen Menschen wiederfahren ist, hautnah spüren.

Deswegen ist es verständlich, warum Russlanddeutsche in der Ausreise nach Deutschland für sich den einzig richtigen Weg gesehen haben. Sie wollten nicht mehr „Faschisten“ und eine verachtete Minderheit sein. Sie wollten endlich als Deutsche unter Deutschen leben, gleichwertig sein und nicht als Fremde gelten.

Doch auch in Deutschland finden sie keine Heimat. Sie müssen sich bald eingestehen, dass dieses Deutschlandbild, das sie in ihrem Herkunftsland gepflegt haben, mit der vorgefundenen Realität nicht übereinstimmt. Das von ihnen hochgehaltene „Deutschtum“ und Begriffe wie Heimat, Vaterland, Gemeinschaft gilt für die Mehrzahl der Bundesbürger inzwischen als überholt. Sie werden durch das unterschiedliche Wertesystem und ihrer kulturellen Andersartigkeit von Einheimischen als Fremde wahrgenommen und stehen in Deutschland wieder am Rande der Gesellschaft. Aus Erzählungen von Erlebnissen wird dem Zuschauer der Gemütszustand dieser Volksgruppe eindrucksvoll vermittelt.

Als die Vorstellung zu Ende ging, hat man die Betroffenheit auf allen Gesichtern gesehen. Wir haben noch lange über dieses Stück diskutiert. Es verleitete uns zu Überlegungen wie wenig wir voneinander wissen und wie schnell Vorurteile unser Handeln beeinflussen können. Uns wurde zunehmend klar, dass wir mehr Offenheit, Akzeptanz und die Bereitschaft auf einander zuzugehen brauchen – und das nicht nur auf Russlanddeutsche bezogen.

 

von Jennet Ens, Q 11