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Auf dem Appellplatz
Internationales Mahnmal
Wachturm

„Ein Ausflug, der nachdenklich stimmt“

Am 4. April 2016 machten sich alle Klassen der 9. Jahrgangsstufe des WGNs mit dem Bus auf den Weg nach Dachau, um die Gedenkstätte des dortigen Konzentrationslagers zu besichtigen. Nach der Ankunft liefen wir einen kurzen Weg, um zum eisernen Eingangstor mit dem zynischen Schriftzug „Arbeit macht frei“ zu gelangen. Das Tor, das für viele Häftlinge der Verlust an Würde, willkürliche Folterung und Tod bedeutete. Hinter dem Tor, über dem sich damals das Büro des Kommandanten befand, erstreckt sich eine weite, mit Kies bedeckte Fläche – der Appellplatz – um den die ehemaligen Verwaltungsgebäude und die nachgebauten Barracken des Lagers stehen.

Nach der Besichtigung des Lagermuseums, das die schrittweise Ausgrenzung „undeutscher Volksgruppen“ und die perfide Rassenpolitik der Nationalsozialisten thematisierte, wurde ein Film über die Befreiung des Konzentrationslagers durch die Amerikaner am 29. April 1945 vorgeführt. In diesem Film sahen wir die Folgen der unmenschlichen Lebensbedingungen und schrecklichen Misshandlungen der KZ-Häftlinge durch die SS-Wachmannschaften. Nach Ende des schonungslos ehrlichen Filmes fanden wir uns in den einzelnen Klassen zusammen und betrachteten gemeinsam mit unseren Lehrkräften das Mahnmal, das einen stilisierten Stacheldrahtzaun aus verhungerten KZ-Insassen darstellt.

Anschließend begaben wir uns zum Eingangstor zurück, an dem jeder Klasse ein Rundgangsleiter zugewiesen wurde. Vor dem Tor erklärten uns diese, weshalb das Lager erbaut wurde und welchem Zweck es im Laufe der NS-Herrschaft diente. Darüber hinaus wurden wir über die grausamen  Bestrafungen und Foltermethoden an den Häftlingen informiert.  Über den Appellplatz, auf dem alle Gefangenen mehrmals täglich zur Zählung in Reih und Glied anzutreten hatten – auch verstorbene Insassen mussten zur dieser Zählung getragen werden – gingen wir in eine der beiden wiederaufgebauten Holzbaracken, in denen die KZ-Häftlinge leben und schlafen mussten. Diese Baracke ist in drei Räume aufgeteilt. Diese Räume spiegeln den Aufbau der Baracken zu verschiedenen Zeitpunkten wider. Zu Beginn hatten die Gefangenen relativ viel Platz, denn jeder hatte sein eigenes Bett. Doch das änderte sich schnell, vor allem während des Zweiten Weltkrieges, als immer mehr Häftlinge nach Dachau kamen, und bis zu 2000 Menschen pro Baracke in den Stockbetten, die zuletzt eher Viehgehegen ähnelten, schlafen mussten. Das Erschreckendste war jedoch, die strikte Ordnung, die in den Baracken galt, und deren Missachtung von den SS-Wachmannschaften strengstens und willkürlich bestraft wurde.

Zuletzt begaben wir uns an den Grundrissen der anderen 32 Baracken und den Mahnmalen vorbei zu unserer letzten Station des Tages, der Baracke X. In dieser befanden sich Desinfektionskammern für die Häftlingskleidung sowie mehrere Brennöfen des Krematoriums. Ein sehr bedrückender Ort, da dort tausende von toten Häftlingen verbrannt wurden. Anschließend durchquerten wir die Gaskammer, über deren Eingang „Brausebad“ geschrieben steht. Es ist aber nicht sicher, ob die Gaskammer jemals benutzt wurde, da Dachau nicht als Vernichtungslager, sondern zur Internierung politischer Gefangener, später auch für unzählige jüdische Häftlinge, und vor allem als Arbeitslager errichtet wurde. „Tod durch Arbeit“ war das grausame Ziel dieses Lagers und der vielen Außenlager um Dachau und München herum.  

Diese Exkursion stimmte uns alle sehr nachdenklich. Sie gilt uns als Warnung zu verhindern, dass sich das Geschehene wiederholt, und als Ort der Erinnerung und des Gedenkens an die unzähligen Opfer des Nationalsozialismus.

Johann Neidiger, 9d