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Im Rahmen der gemeinsamen Lektüre von Rafik Schamis „Eine Hand voller Sterne“ beschäftigte sich die Klasse 8c mit der Macht und Ohnmacht von Literatur in Ländern, in denen die Mächtigen Freiheitsbestrebungen des Volks durch Zensur und Folter gewaltsam zu unterdrücken versuchen. Verschiedene literarische Spielarten wurden in diesem Zusammenhang auf ihre Bedeutung für die Unterdrückten untersucht: Märchen und Sagen, Hörspiele, journalistische Texte und Gedichte.

Nach der Besprechung des Gedichts „Ihr sollt nicht“ von Khalil Gibran, einem libanesisch-amerikanischen Dichter, den der Ich-Erzähler aus Schamis „Eine Hand voller Sterne“ sehr schätzt, verfassten die Schülerinnen und Schüler selbst Prosagedichte. Orientieren sollten sie sich dabei an Gibrans Strophenanfängen „Ihr sollt (nicht)“ und „denn“ - die Aussage des Gedichts war ihnen freigestellt.

Die folgende Auswahl soll stellvertretend für viele gelungene, inspirierende Gedichte stehen, die auch im Klassenzimmer der 8c aushängen!


StRefin Lena Büttner



Ihr sollt atmen,

damit ihr Luft bekommt,

ihr sollt leben,

wie ihr es wollt

und euch verhalten,

wie ihr es normalerweise tut.


Ihr sollt wünschen,

damit ihr bekommt,

ihr sollt schreiben,

wie ihr es für gut haltet,

und glauben,

damit sich etwas erfüllt.


Denn ihr seid Menschen,

Leute der Freiheit.

Freiheit,

die uns nicht zu nehmen ist.


(Tim Alleraun, 8c)




Ihr sollt nicht den Winter vergraulen,

damit der Frühling kommt,

noch sollt ihr im Frühling über die Hitze klagen,

damit euch der Sommer nicht straft.

Auch sollt ihr nicht im Sommer über Regen schimpfen,

damit alles seine Zeit nicht verliert.

Ihr sollt nicht die Sonne beschimpfen,

denn sonst kommt der Regen.

Ihr sollt euch auch niemals über Unwetter beklagen,

damit es euch nicht verfolgt

und damit es kein Unheil anrichtet.

Denn wer den Regenschirm auspackt,

bevor der Regen erst beginnt,

der verpasst die Schönheit des Augenblicks,

die doch so viel mehr als Sorge und Angst ist.


(Alina Niederberger, 8c)



Ihr sollt stets ihr selbst sein

und lasst euch nicht vorgeben, wer ihr seid.

Niemand soll euch euren Charakter nehmen.

So schämt euch niemals für euch selbst.


Ihr sollt euch trauen zu tun, was euch beliebt,

und nicht darauf achten, was andere machen.

Und habt ihr ein besonderes Talent,

übt es, solange ihr könnt.


Denn oben im Himmel wurdet ihr geschaffen,

euer Charakter und euer Talent.

Schämt euch nicht für diese Gabe.

Denn sie macht euch einzigartig.


(Nabil Ifthekar, 8c)



Ihr sollt nicht eure Münder schließen,

damit ihr die Wahrheit nicht verbreitet,

noch eure Augen schließen,

damit ihr die Wirklichkeit nicht erkennt.


Ihr sollt nicht eure Ohren schließen,

damit ihr die Wahrheit nicht erfahrt,

noch in Verstecken wohnen,

damit ihr die Realität nicht bemerkt.


Denn wenn ihr nicht in Freiheit lebt,

dann werden euch andere einschränken.


(Mattis Puchta, 8c)